„Die Bergbilder und die abstrakten Farbentladungen stellen keinen Widerspruch dar, verdeutlichen sie doch die Pole, die als komplementäre Gegensätzlichkeiten die schillernde Symbiose im Werk Herbert Brandls eingehen, das in der Ambivalenz der Schwebe zwischen Motivandeutung und Material erlebt und nicht entziffert werden soll.“
Magareta Sandhofer, 2016

Die Galerie Elisabeth & Klaus Thoman freut sich, die 7. Einzelausstellung von Herbert Brandl in der Innsbrucker Galerie anzukündigen. Die Ausstellung demonstriert die Vielfältigkeit in Brandls Schaffen. Von verschiedenen Positionen bewegt sich der Künstler im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Figuration. Einerseits geht es ihm um Exaktheit und Momenthaftigkeit: die weiß grundierten Leinwände, auf die mit präzisem schwarzem Pinselstrich ausschließlich Konturen aufgebracht werden, lassen keine Korrekturen zu. Die Motive sind auf das Wesentliche reduziert. Das Bergsujet, aus der Ferne mit felsigen Gipfeln und spröden spitzen Form von kristalliner Präsenz, verliert beim Nähertreten die materielle Substanz des Gegenständlichen in der Materie der Farbe. Antithetisch dazu die abstrakten Arbeiten in leuchtenden bunten Farben: Hier deuten Format und Lichtführung diffus auf ein Landschaftssujet hin, während die räumliche Illusion von Farbschichtungen mit der Farbrolle verdichtet und verwischt und so zurück in die Zweidimensionalität getrieben wird. Die Bilder, gestisch ausgeführt, lassen den energetischen Arbeitsprozess Brandls sichtbar erscheinen, der die Bildoberfläche zum Farbspektakel werden lässt. Frei von jeglichen gegenständlichen Referenzen hingegen bezeugen die farbintensiven, monochrom magentafarbenen Arbeiten Herbert Brandls Interesse an feinteiligen Texturen.

Herbert Brandl, geboren 1959 in Graz, lebt und arbeitet in Wien. 1978 Studium an der Akademie für angewandte Kunst Wien bei Peter Weibel und Herbert Tasquil., Professor an der Kunstakademie Düsseldorf 2004-2019. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen seit 1981, z.B. 1986 Hacken im Eis Kunsthalle Bern und Museum des 20. Jahrhunderts Wien; 1990 Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris; 1991 Museum Van Hedendaagse Kunst Ghent (solo); 1992 documenta IX Kassel; 1993 Der zerbrochene Spiegel Kunsthalle Wien und Deichtorhallen Hamburg; 1998 Herbert Brandl Sezession Secession Wien; 1999 Kunsthalle Basel (solo); 2002 Herbert Brandl Panorama Kunstraum Innsbruck; 2002 Es gibt kein letztes Bild. Malerei nach 1968 Museum für Gegenwartskunst Basel; 2005 China retour MUMOK Wien; 2007 Austrian Pavilion La Biennale di Venezia (solo); 2009 Deichtorhallen Hamburg (solo); 2009/2010 Herbert Brandl. Berge und Landschaften. Monotypien Albertina Wien; 2010 Painting: Process and Expansion MUMOK Wien; 2011 Bank Austria Kunstforum Wien (solo); 2012 Abstraction/Figuration, Austrian Contemporary Art, Sochi Art Museum, Sochi; 2013 Geschenke an das Ferdinandeum, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck; 2014 Reines Wasser, Lentos Kunstmuseum, Linz; 2015 Homelandjoe and the holy Bauernmonos, Greith-Haus, St. Ulrich (solo); 2016 Herbert Brandl, Haus der Kunst St. Josef Solothurn; 2016/2017 Schräg bis Vertikal, arlberg1800 Contemporary Art & Concert Hall; 2017 Hyänenpause, Museum Franz Gertsch (solo).
Mit der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman verbindet ihn eine lange und fruchtbare Zusammenarbeit seit Pittura Austriae. Positionen aus Österreich. II/III 2000, mit vielbeachteten Publikationen und Einzelausstellungen wie Spektrolith 2010, Vulkan, Khyber und Katana 2013, und Sommerschnee 2016, und gemeinsamen Projekten, wie Publikation und Austellung der Monotypien 2009/2010 in der Albertina oder die Ausstellung mit riesigen Formaten im Hospiz am Arlberg 2016/2017. 2020 widmet ihm das Belvedere 21 eine große Personale.