Nach markanten Beteiligungen bei Projekten der Galerie, wie Unter freiem Himmel Skulptur im Schlosspark Ambras, ist Solvent Scale die erste Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman. Martin Walde ist ein im umfassenden Sinn medial konzipierender Künstler. In seinen Arbeiten geht es in vielfältiger Weise um Prozesse die in Gang gesetzt werden. Dabei interessiert sich der Künstler in erster Linie für Phänomene, die sich mit dem Unerklärbaren und Unkalkulierbaren befassen. Walde arbeitet kontinuierlich mit verschiedenen Materialien und wechselt stets die Perspektiven. Er ist ein schwer fassbarer Grenzgänger zwischen Chemielaborant und Alchemist, zwischen technischem Erfinder und Demiurg. Mit einer ausgeprägten Entdeckerlust hinsichtlich physikalisch-chemischer Zusammenhänge experimentiert er mit Flüssigkeiten, Farben, Gerüchen und Konsistenzen. Martin Walde interessiert daran die stete Transformation, das Fließende, das Veränderliche der Werkstoffe, ihre Viskosität ebenso wie ihre affektiven, symbolischen und ästhetischen Potentiale. Dem Künstler gelingt es mit seinen dynamischen Installationsprozessen den Skulpturenbegriff zu erweitern, indem er Natur, Wissenschaft, und Technik in seine Arbeiten integriert. Und gerade weil Walde wissenschaftlichen Forschergeist mit künstlerischer Form verbindet(…), weil Poesie, Lust und Leidenschaft den Motor für alles Voranschreiten bilden, ist Martin Walde weniger ein Finder und Erfinder von neuen Sinnzusammenhängen als ein verträumender ‚Weltenmacher‘, der es vermag, den Zweckrationalismus einer grauen Alltäglichkeit mit den sprühenden Funken eines ungebändigten Geistes zu infizieren.* (Roland Nachtigäller, Das Museum als künstlerisches Labor und soziales Handlungsfeld,  In: Katalog, Martin Walde – A Second Home for Schrödinger’s Cat, MARTa Herford, ZKM, Neue Galerie Graz, 2010)

Martin Walde zeigt in seiner für die Galerie Elisabeth & Klaus Thoman in Innsbruck konzipierten Ausstellung Solvent Scale eine Gruppe von Glasarbeiten. Alle Glasgefäße funktionierten in industriellen Rückgewinnungsanlagen für Lösungsmittel. Diese form- und skalennormierten Gefäße wurden vom Künstler, in Zusammenarbeit mit dem Glastechniker Bernd Weinmayer, in einem speziell von ihnen angefertigten Hochofen verformt. Ein wesentlicher Moment der Konzeption besteht darin, dass die „Deformation“ der Glaselemente nicht Selbstzweck ist und formalästhetischen Kriterien folgt, sondern Begleiterscheinung und Konsequenz der Verflüssigung der „Skalen“ darstellt. Im Prozess strebt der Künstler nicht die De-Funktionalisierung der Gefäße und somit der Industrieanlagen, sondern eine Veränderung der Funktionalität an. Das markante zweite große Werk in der Ausstellung ist die zehnteilige Arbeit Dandelion, die gerade an der Biennale Moskau gezeigt wurde. Martin Walde verwandelt das Foto einer Löwenzahnwiese schrittweise durch fortwährende Reproduktion von analogen und digitalen Überschreibungen in eine unwirkliche, phantastische Welt. Torkelnd zwischen inkonsequenten Manipulationen und Konzeption wird ein Abstraktionsprozess in Gang gesetzt, in dem sich das Abbild der Wiese verliert. Die schrittweisen Manipulationen aber sichtbar bleiben.

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Solvent Scale is, after his remarkable contribution to Skulptur im Schlosspark Ambras Unter freiem Himmel, the artist's first solo exhibition at the Galerie Elisabeth & Klaus Thoman. Martin Walde is an artist who conceives his works, in a comprehensive sense, from the point of view of the media used. In these works he deals, in manifold ways, with processes being set in motion. What interests Walde most, consequently, are phenomena touching on the inexplicable and incalculable. He likes to work with a variety of materials and keeps changing perspectives. “Forever hard to pin down, he changes roles, from chemical lab assistant to alchemist, from technical inventor to demiurge. With a marked joy of discovery, in terms of physical-chemical correlations, he experiments with liquids, colours, smells, and textures. What interests Martin Walde here is continuous transformation, the fluidity and changeability of materials, their viscosity as well as their affective, symbolic and aesthetic potentials.”  With his dynamic installation processes, the artist succeeds in extending the concept of sculpture, integrating nature, science, and technology into his works. “As Walde combines a spirit of scientific research with artistic form, and as poetry, pleasure and passion are the motor for all progress, Martin Walde is less a finder and inventor of new contexts of meaning than a dreamy 'world maker' who is able to infect the purposive rationalism of a grey everydayness with the scintillating sparks of an untamed mind.” * (*Roland, Nachtigäller, Das Museum als künstlerisches Labor und soziales Handlungsfeld,  In: Katalog , Martin Walde – A Second Home for Schrödinger’s Cat., MARTa Herford, ZKM Karlsruhe, Neue Galerie Graz, 2010)


In the exhibition entitled Solvent Scale, conceived for the Galerie Elisabeth & Klaus Thoman in Innsbruck, Martin Walde presents a group of glass works. All of the glass vessels had been used in industrial recovery systems for solvents. These vessels, with their standardised forms and scales, were then deformed by the artist, in collaboration with the glass technician Bernd Weinmayer, in a furnace specially constructed for the purpose. A crucial aspect of the project was that the “deformation” of the glass elements should not be an end in itself or follow formal aesthetic criteria, but merely be a side effect and a consequence of the liquefaction of the “scales”. In the process, the artist does not aim for a de-functionalising of the vessels, and thus the industrial facilities, but for a change in their functionality. The second prominent work in the exhibition is a series of pictures in ten parts called Dandelion that has recently been shown at the Moscow Biennale. Step by step, and through continuous reproduction of analogue and digital overwritings, Walde here transforms the original photograph of a meadow covered in dandelions into an unreal, fantastic world. Wavering between inconsequential manipulations and deliberate conception, a process of abstraction is thus set in motion, in the course of which the meadow's image is lost, while the step-by-step manipulations remain visible.