Ausstellung im Rahmen von Destination Wien 2015 EXTENDED


Die Galerie Elisabeth & Klaus Thoman freut sich zur fünften Einzelausstellung des 2010 verstorbenen Steinbildhauers Karl Prantl einladen zu dürfen.

 

Karl Prantls Steine zeichnet eine außergewöhnlich einprägsame Präsenz aus. Sie sind umgeben von einer „Aura, die uns anrührt und zur Meditation auffordert.“ Prantls Skulpturen wurden aus einem der ursprünglichsten künstlerischen Materialien – dem Stein – herausgelöst und sind trotz ihrer Schlichtheit komplexe Werke, in die eine Fülle von primären Erfahrungen von Licht, Raum und Zeit eingegangen sind, in welchen auch die „Dimension vergessener oder unbeachteter und verdrängter Erkenntnisse eine zentrale Rolle“ spielt. Ein „Bildhauer folgt der ursprünglichen Form des Steins, seinen Schnitt und Bruchstellen.“ So betrachtet, ist Prantls Ansatz ein unmittelbarer, unverfälschter und direkter. „Jenseits der figurativen Tradition der österreichischen Bildhauerei hat Prantl die Skulptur (…) hinter die menschengestaltige Tradition der europäischen Skulptur zurückgeführt auf eine Raum schaffende und versammelnde Funktion, wie sie Opfersteine, steinerne Mäler und Gedenksteine schon früher hatten. Archaische Kulturerfahrungen östlicher, auch animistischer Kulturen spielen hier ebenso sehr eine Rolle wie das Erbe der eigenen Kultur, deren religiöse Zeichensprache einen Einfluß darstellt.“ (P. Weiermeier, M. Ake) 

Charakteristisch für die Steine von Karl Prantl ist das zwischen unbearbeiteten Stellen und jenen vom Künstler formgeprägten, hochpolierten Details entstehende Wechselspiel, welches sinnliche Reize im Betrachter erzeugt, der sich allein mit seinen visuellen Rezeptoren nicht zufrieden geben möchte. Es wird ein innerer Drang ausgelöst, den Stein berühren zu wollen, um ihn scheinbar erst dadurch ganz zu begreifen. Prantls Steine animieren demnach den Tastsinn nicht weniger als den Sehsinn. Wenngleich diese Steine eine körperliche Gegenwärtigkeit des Betrachters einfordern, strahlen sie gleichzeitig eine entrückende Innenkehr evozierende paradoxe Zeitlosigkeit aus. Das Alter des Materials erzeugt unweigerlich eine Atmosphäre erhabener Beständigkeit. Des Weiteren drückt sich in der Gegenüberstellung dieser Dauerhaftigkeit und unserem schnelllebigen Zeitgeist sowie einem allgegenwärtigen Vanitas-Gedanken Prantls Aufforderung aus eine neue Verbindung zwischen Kunst und Leben zu entwickeln.

 

Textauszüge: Peter Weiermeier, Muang Ake, Karl Prantl – Steine, Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Innsbruck 1995.