Brandon Ballengée, *1974 in USA, lebt/lives in New York

Thomas Feuerstein, *1968 in Innsbruck (A), lebt/lives in Wien/Vienna

Mathias Kessler, *1968 in Kempten (D), lebt/lives in New York

Günther Selichar, *1960 in Linz (A), lebt/lives in Wien/Vienna

Loredana Selichar, *1962 in Rom/Rome, lebt/lives in Wien/Vienna

Dana Sherwood, *1977 in New York, lebt/lives in New York

 

Nach dem Kampf der Ökologiebewegung in den 1970er und 80er Jahren und dem Aufzeigen der „Grenzen des Wachstums“ führten der rasante (natur-)wissenschaftliche und technische Fortschritt in einer zunehmend globalisierten Welt zur größten gesellschaftlichen Umwälzung seit der industriellen Revolution. Vor dem Hintergrund der Standardsequenzierung der humanen DNA, der weitgehend freien Verfügbarkeit von Informationen und Bildern im Internet sowie der freiwilligen, gleichsam selbstverständlichen Preisgabe von Vertraulichem und Identitäten in den sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder Snapchat wird das Private zum Öffentlichen. Der Mensch wurde zum gläsernen, mit Algorithmen ausgeleuchteten Wesen im engmaschigen Netz privater und staatlicher Überwachung.

Zunehmend orten Künstlerinnen und Künstler den Objektivierungswahn unserer Zeit und stellen den gehuldigten experimentellen Ansatz als vermutetes Gesetz in Frage. Sie setzen sich kritisch mit unserem auf Objektivierung und Naturgesetzgläubigkeit aufgebauten Denksystem vor der Bedeutungsverschiebung der postindustriellen Konsumgesellschaft auseinander. Die Grundauffassung von dem was Natur war und ist, hat sich markant verändert, da diese machbar und rekonstruierbar scheint, womit sich Mathias Kessler auseinandersetzt. Thomas Feuerstein geht einen Schritt weiter als Schöpfer eines neuen Moleküls, er wird der Kreator von Neo-Natur. Demgegenüber referenziert Dana Sherwood mit ihren von Tieren zerfressenen Torten den natürlichen Kreislauf in einem geschlossenen System, während Brandon Ballengée seine Arbeit als Umweltaktivist mit jener als Forscher und Künstler elegant verbindet. Günther Selichar verweist wiederum auf die Technik unseres neuen Bezugsystems, den neuen digitalen Grundfarben Grün, Rot und Blau und den Screens und Scannern, als selbstverständliche Schnittstellen zu unserer schönen, neuen Welt.

Die künstlerischen Projekte sind Hommage und Kritik, Bruch und Kontinuität mit der Naturwissenschaft wie auch der Kunstgeschichte. Obzwar die klassische Naturvorstellung, die Sehnsucht nach dem Unberührten, der experimentelle naturwissenschaftliche Ansatz und die Fortschrittsgläubigkeit die Grundlage dieser künstlerischen Praxen bilden und die Künstlerinnen und Künstler trotz Paradigmenwechsels diese zu adoptieren scheinen, transformieren und recodieren sie das als vorgegeben Vermutete.

 

Dieter Buchhart (*1971 in Wien), Kurator und Kunsttheoretiker, und Anna Karina Hofbauer (*1973 in Skælskør, Dänemark),  Kuratorin und Kunstkritikerin, leben in Wien.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Galerienfestivals curated by_vienna: Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgedacht statt. Den theoretischen Ausgangspunkt für die teilnehmenden Galerien, Kuratorinnen und Kuratoren bildet der titelgebende Essay des Kulturtheoretikers und Autors Diedrich Diederichsen.  Mit dem Projekt curated by_vienna unterstützt die Wirtschaftsagentur Wien mit ihrem Kreativzentrum departure seit 2009 die Zusammenarbeit von Wiener Galerien zeitgenössischer Kunst mit internationalen Kuratorinnen und Kuratoren.

www.curatedby.at


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