UNTER FREIEM HIMMEL
 
Juni 2001 - September 2002

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Die gestaltete Natur des Schlosspark Ambras, die Nordkette und der freie Himmel bilden den Rahmen und den Raum für die Ausstellung, dies ganz im Gegensatz zu Präsentationen im neutralen white-cube des zeitgenössischen Ausstellungsraums oder Kunst im urbanen Raum, in dem Architektur und städtisches Leben Definitionsgrößen sind. Im wahrsten Sinne des Wortes lässt Unter freiem Himmel Begrenzung und Freiraum für die künstlerischen Arbeiten erahnen. Eine reizvolle Herausforderung für die Künstler, da ein Großteil der Arbeiten speziell für den Park und deren Besucher erarbeitet und realisiert wurde.

Eine Vielfalt von individuellen Lösungen und Inhalten kennzeichnet die Skulptur ab 1945. Die Skulptur, kunstgeschichtlich bislang eher ein Stiefkind in der österreichischen Kunst, gewinnt in den 60er Jahren formal und inhaltlich Anschluss an die internationale Entwicklung der Plastik. Die klassische Skulptur, deren äußere Form auf die menschliche Figur zurückgreift, wird immer mehr gewandelt.

Das Schaffen Bruno Gironcoli's verdeutlicht das abwechslungsreiche skulpturale Repertoire signifikant (Ohne Titel, Kinderwagen, 1966/2001). Keine Schule sondern eine breite Palette der skulpturalen Auseinandersetzung und Überwindung der künstlerischen Strömungen von Surrealismus, Kubismus und Abstraktion manifestiert diese Entwicklung.

So arbeitet etwa Roland Goeschl (Farbsäule, gedreht, 1986/87) mit Farbflächen, um Formverläufe und -kontraste hervorzuheben. Durch die Farbkombinationen rot mit blau und später auch mit gelb entstehen Schicht-Figuren, Farb-Würfel-Gebilde, Säulen und Reliefwände, das Anliegen der Auseinandersetzung mit dem Innen statt mit der äußeren Hülle wird deutlich.

Ein letztes Echo des Figürlichen - fast nur mehr eine thematische Anspielung - sind die faszinierend merkwürdig vegetativ anmutenden Objekte von Franz Xaver Ölzant (Dreieichen, 1972). Ein Wandel der Skulptur zu Gestalt und Intervention vollzieht sich. So ist für Karl Prantl (Sieben Anrufungen, 1959/1982), dem im Schlosspark Ambras bereits eine Personale gewidmet war, die Bildhauerei Meditation durch Reduktion auf das dem Material, dem Stein, Innewohnende.

Wenn Gottfried Bechtold über Form und Material seiner in sich geschlossenen autonomen Plastik hinausweist (Foto 2001, Crash-Porsche aus Beton), in dem er sie inhaltlich stark gesellschaftskritisch auflädt, so werden der Kontext und das Konzept von Plastikern der jüngeren Generation nicht mehr bildlich umgesetzt, sondern sind ein nicht visualisierter Bestandteil der dargestellten Ideen. Sich sensibel in die Landschaft einschreibende skulpturale Interventionen, die erst auf den zweiten Blick erkannt werden, wie beispielsweise das Landschafts-Trompe-l'oeil von Martin Gostner sind genauso vertreten, wie die unsere Wahrnehmung schärfende Arbeit von Michael Kienzer im Weiher (Steg, 2001) oder die erst durch die Betrachter/Benutzer sich vervollkommnenden amorphen Objekte von Franz West (Petit Four, 2001), dem wir im Sommer 2000 eine eigene Personale im Schlosspark Ambras widmeten.
Mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler manifestieren mit ihren vielfältigen Positionen die unterschiedlichen Aspekte der österreichischen Skulptur ab den 60er Jahren.
Ein spannender neuer Dialog zwischen Kunst und Natur.

 

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